Schaff, Zuber und Aderlass – Baden im Mittelalter

Immer noch hält sich das Gerücht, dass im Mittelalter nicht gebadet wurde. Schriftliche Quellen, Bilder und Bauwerke widerlegen diesen Mythos jedoch. 

Gebadet wurde regelmäßig und mit großer Freude. Es war neben der Körperreinigung ein wichtiger Anlass, um zusammenzukommen und sich auszutauschen. Dies geschah vor allem in öffentlichen Bädern, von denen es sowohl in den Städten als auch in kleineren Orten viele gab. Bäder gehörten zur Infrastruktur mittelalterlicher Städte, weshalb ein gutes Badehaus den guten Ruf eines Ortes unterstützte.  

Öffentliche Bäder wurden von einem Bader betrieben, der von Badeknechten und -mägden unterstützt wurde. Dort nahm man sogenannte Schwitzbäder, die unserer heutigen Sauna ähneln. Vor dem Schwitzen wusch man sich mit lauwarmem Wasser und Seife ab, danach ruhte man. Zu einem Besuch im Badehaus gehörten auch: Haarewaschen, Rasieren und – für diejenigen, die es sich leisten konnten – Wannenbäder und Massagen. Der Bader bot zusätzlich noch Aderlass und Schröpfen an, welche zumindest einmal im Jahr als gesundheitserhaltende Maßnahme empfohlen wurden (Abb.1). 

Abb.1: Aderlass, Biblia pauperum, süddeutsch, 1475–1475. Wien, ÖNB, cod. 3085, fol. 30r., REALonline 006798, © IMAREAL – Univ. Salzburg.

Wollte man zuhause baden, stellten die meisten Leute Zuber, meist aus Holz, in beheizte Räume (Abb.2). Diese legte man mit Stoff aus, um Verletzungen durch Splitter zu verhindern, und manchmal hängte man Stoffe wie einen Baldachin darüber, damit die Wärme des Wassers sich nicht verflüchtigte. In den Palästen der Eliten richtete man luxuriöse Badezimmer ein, mit fließendem Warm- und Kaltwasser, Dampfbädern, Wannen und Wanddekorationen. Zurückgegriffen wurde dabei auf antikes Wissen und Tradition, vermittelt durch antike Bauwerke und auf Grundlage von Vitruvs Architekturtraktat „De architectura libri decem“ aus dem 1. Jh. v. Chr. Oft wurden römische Strukturen auch einfach bis weit ins Mittelalter hinein weiterverwendet.  

Abb.2: Badeszene, Biblia pauperum, Süddeutsch, 1475–1475. Wien, ÖNB, cod. 3085, fol. 34v., REALonline 006800, © IMAREAL – Univ. Salzburg.

Während schriftliche Überlieferungen und materielle Überreste viele Informationen über die mittelalterliche Badekultur liefern, sind bildliche Quellen schwieriger zu finden. Baden war lange Zeit kein eigenes Bildthema, sondern an verschiedene andere Narrative gebunden. Da Baden jedoch mit körperlicher Nacktheit verbunden ist, sieht man von knappen Badehemden und den knappen Badehosen der Männer, genannt Bruoch, ab, finden sich Darstellungen vermehrt erst in der Kunst der Frühen Neuzeit. 

Suche nach Badedarstellungen 

Wer sich nun also auf die Suche nach Badedarstellungen im Mittelalter begeben will, muss meist bereits wissen, welche Narrative und Szenen Badedarstellungen enthalten.  
Über die Expert*innensuche via REALonline kann hingegen direkt ermittelt werden, in welchem Kontext „gebadet“ wurde (Abb.2).  

CYPHERABFRAGE 

match (a:Work)-[*]->(b:Szene)–>(c:Handlung) 
where „baden“ in c.name 
with a,b,c 
match (a)-[:thesaurus|broader*]->(e:Thesaurus {ThesaurusId:’bildthema‘}) 
return a,e 
union  
match (a:Work)-[*]->(b:Szene)–>(c:Person) 
where „badend“ in c.gestus 
with a,b,c 
match (a)-[:thesaurus|broader*]->(e:Thesaurus {ThesaurusId:’bildthema‘}) 
return a,e 
Abb.3: neo4J-Graph zur Ermittlung der Bildthemen im Zusammenhang mit Baden. (Letzte Abfrage: 04.08.2025). 

Ein erster Blick auf den Graphen zu den Bildthemen liefert einige Erkenntnisse.  

Bei einer Suche nach Bildtiteln lässt sich deutlich erkennen, dass die Mehrzahl von Badeszenen einen sakralen Kontext hat. Man könnte vorerst annehmen, dass viele dieser sakralen Szenen im Zusammenhang mit Geschichten wie „Susanna im Bade“ oder „Bathseba im Bade“ stehen. Aber die Suche zeigt etwas anderes: die meisten Cluster bilden sich um Geburtsszenen von Heiligen. Am meisten vertreten ist die Geburt der hl. Maria, aber auch die Geburt Christi und der hl. Johannes, Rochus und Nikolaus enthalten Badeszenen. Natürlich finden sich auch die klassischen Badedarstellungen von Susanna und Bathseba, sie nehmen allerdings im REALonline-Corpus nur einen kleinen Teil ein. Auch findet sich mehrfach die Reinigung des Naaman im Jordan, allerdings einmal versteckt unter dem Titel „Rückführung der Bundeslade“, der als Hauptthema des Bildes festgelegt wurde. 

Weitere Cluster bilden sich um die Hagiografie der hl. Elisabeth, die Bedürftige und Kranke badete. Auch mehrfach vertreten ist die Rettung von Kindern, die beim Baden ertrunken sind. Dieses Motiv könnte ein Hinweis auf tatsächliche historische Probleme sein. Ausreißer bilden eine Darstellung des hl. Christophorus und die Versuchung des Antonius (Abb.3). Wobei die Versuchungsdarstellung auf den erotischen Aspekt des Badens, vor allem badender Frauen, verweist. 

Abb.4: Versuchung des Hl. Antonius, Antoniusaltar, 1503–1505. St. Georg, Spisska Sobota, Slowakei, REALonline 012065, © IMAREAL – Univ. Salzburg.

Profane Badethemen zeigen badende Tiere: Amseln, Löwen, Elefanten sowie Monatsdarstellungen und den Tod Senecas. Hier finden sich auch die Darstellungen, die sich keiner klaren Ikonografie zuweisen lassen. 
Da Geburten eine große Rolle in den Badeszenen spielen, liegt es nahe, sich hier den Zusammenhang anzusehen und zu ergründen, was sich in schriftlichen Quellen zu diesem Thema findet.  

Baden und Geburt 

Baden spielt bei der Vorbereitung auf die Geburt und der Pflege des Neugeborenen eine bedeutende Rolle. Aldobrandino von Siena gibt in seinem „Regime du corps“ im 13. Jahrhundert klare Empfehlungen zum Badeverhalten einer Schwangeren. In den drei Wochen vor der Geburt soll sie tägliche Bäder in einer Kräutermischung aus Malven, Veilchen, Leinsamen, Bockshornklee, Gerste und Kamille nehmen. Dabei soll sie nur bis zum Nabel im Wasser sitzen.  
Auch nach der Geburt werden gleich ein Bad und ein nährreiches Mahl für die Mutter empfohlen. Das Kind soll ebenso schnellstmöglich gebadet und eingewickelt werden. Das diente einerseits der Reinigung des Kindes, andererseits dazu, das Kind warm zu halten. Im Mittelalter wurden die Körper der Neugeborenen für formbar gehalten und gerne mit Wachs verglichen. Weshalb man Müttern nahelegte, ihre Kinder zwei- bis dreimal täglich warm zu baden und danach einzuwickeln, damit ihre Gliedmaßen gerade und lang wachsen. Dieser Prozess sollte mindestens im ersten Monat nach der Geburt befolgt werden, danach reicht es einmal wöchentlich. 

Die Geburt Mariens vom Hochaltar der Pfarr- und Wallfahrtskirche Zu unserer lieben Frau bei Salzburg illustriert die postnatale Versorgung von Mutter und Kind anschaulich (Abb.5). Der ruhenden Mutter werden von zwei Frauen nährende Speisen und Getränke geboten. Ob sie gebadet hat oder nicht, bleibt allerdings unklar und hing auch immer vom Verlauf der Geburt ab. Eine Magd sitzt auf einem Stuhl vor dem Bett und versorgt das fest eingewickelte Kind. Auf dem Boden steht noch das Schaff für das Kinderbad. Aus dem Schaff hängt ein Stück Stoff, das man vermutlich zum Schutz der empfindlichen Babyhaut vor Holzsplittern nutzte. Auch wenn das Kind etwas gewachsen ist und nicht mehr dreimal täglich gebadet werden sollte, fand man es noch oft im Bade: Wassertreten soll die Muskeln stärken. 

Abb.5: Meister von Mariapfarr: Geburt Mariens, Hochaltar der Pfarr- und Wallfahrtskirche Zu unserer lieben Frau, Salzburg, 1495–1505. Pfarrkirche Mariapfarr, REALonline 000078, © IMAREAL – Univ. Salzburg.

Materielle Objekte 

Fragt man sich nun nach den materiellen Objekten, die solche Szenen begleiteten, steht man vor einer linguistischen Herausforderung. Nehmen wir als Beispiel den Behälter, in dem das Kind gebadet wurde: ist es ein Zuber, eine Wanne oder doch ein Schaff?  

Eine weitere Expert*innen-Suche zeigt ein weit gestreutes Feld an unterschiedlichen Bezeichnungen.  

match (b:Szene)–>(c:Handlung) 
where „baden“ in c.name 
with b 
match (b)-[:child|hat_bezug*]->(g:Objekt) 
with g 
match (g)-[x:thesaurus {name:’gegenstand‘}]->(h:Thesaurus)-[y:broader]->(i:Thesaurus)-[z:broader]->(j:Thesaurus) 
return g,h,i,j,x,y,z 
Abb.7: neo4j-Graph zur Ermittlung der Objekte im Zusammenhang mit Baden. (Letzte Abfrage: 04.08.2025). 

Da bei der Suche alle Objekte, die auf dem Bild zu finden sind, aufgezeigt werden, ist die erste Herausforderung, die richtigen Knoten zu finden. Dann erkennt man bald, dass die Badewannen viele verschiedene Bezeichnungen hat. Um alle Werke mit diesen Objekten zu finden, muss nun nach allen Begriffen gesucht werden. Dies lässt sich über eine kombinierte Suche auch einfach in der REALonline-Suche direkt abfragen. Ohne die Cypher-Abfrage nach den Objekten, die in Bezug auf Badeszenen stehen, ist es in anderen Datenbanken eine mühselige Arbeit, alle möglichen Begriffe abzufragen. 

Das Problem bezieht sich also nicht nur auf REALonline, sondern gilt für die meisten Datenbanken. Objektbezeichnungen sind nicht eindeutig definiert und variieren stark. Auch die gängigen Thesauri (AAT, Iconclass) liefern wenig Unterstützung, da Begriffe wie „Badezuber“, „Schaff“ und „Wanne“ dort nicht zu finden sind.  

Die Erforschung der materiellen Objekte im Zusammenhang mit mittelalterlicher Badekultur erfordert nach wie vor, trotz vieler technischer Hilfsmittel, einen enormen Zeitaufwand bei der Suche nach Objekten und Darstellungen. Abhilfe könnten künftig einheitlichere Objektbezeichnung und das Erfassen von Baden als Bildmotiv in allen Datenbanken schaffen.  


Zur Autorin: 
Sabrina Jocher ist Kunsthistorikerin mit einem Fokus auf Buchmalerei. In ihrer Masterarbeit ergründete sie die Farbe Grün im Zusammenhang mit dem Fürstentum Burgund anhand des Stundenbuchs der Maria von Burgund (VIE. 1875).  Im Rahmen der projektbezogenen Tätigkeit für REALonline hat sie das Thema Baden mit den Mitarbeiter*innen am IMAREAL diskutiert, ihre Kenntnisse zum Baden im Mittelalter für Anreicherungen in REALonline mit Normdaten eingebracht und an der Überarbeitung von Institutionen- und Materialthesaurus mitgearbeitet. 
 

Weiterführende Literatur:

  • Jill Caskey: Steam and „Sanitas“ in the Domestic Realm: Baths and Bathing in Southern Italy in the Middle Ages, in: Journal of the Society of Architectural Historians 58/2 (1999), S. 170–195.
  • Ulrika Kiby: Bäder und Badekultur in Orient und Okzident, Köln 1995. Katharine Park: Managing Childbirth and Fertility in Medieval Europe, in: Reproduction: Antiquity to the Present Day, hg. v. Nick Hopwood, Rebecca Flemming und Lauren Kassell, Cambridge 2018, S. 153–166. 
  • Robert Büchner: Im städtischen Bad vor 500 Jahren. Badhaus, Bader und Badegäste im alten Tirol, Wien 2014. 
  • Susanne Grosser: „Hotspots“ der Körperhygiene, des sozialen Austauschs und der Gesundheitspflege. Öffentliche Badestuben als ein spätmittelalterliches Erfolgsmodell, in: „…dem ist sein paden nuetz und guet“. Badehäuser und Bader in Franken, hg. v. Dieter Gottschalk, Susanne Grosser, Johanna Kemmler, Herbert May und Ralf Rossmeissl, Bad Windsheim 2022, S. 246–267.