Im Zuge des Klimawandels rücken die Luftfahrt und die Transportmittel, die sie ermöglichen, immer mehr in ein düsteres Licht. In einer Zeit hingegen, in der das Sicherheben über die Wolken in den Kinderschuhen steckte, wurden nahezu alle daran beteiligten Objekte zu Ko-Heroinnen der Überwindung von Schwerkraft. So schilderte die Schauspielerin Sarah Bernhardt etwa – folgt man der Erzählung Julian Barnes’ Roman „Levels of Life“ – ihren Aufstieg in höhere Sphären in einem Heißluftballon aus der Sicht des Stuhls, auf dem sie während des Abenteuers gesessen hatte. In welcher Form haben Gegenstände aber nun teil an der visuellen Vermittlung der Erzählung von einer ganz anderen Himmelfahrt, wie beispielsweise jener, die Rueland Frueauf der Ältere 1490/1491 malte?

Mitmenschen mit Sinn für Nostalgie verschicken aus ihrem Urlaub noch handschriftliche Grüße. Die abgebildete Situation ist dabei natürlich niemandem zu wünschen!

Eine schreibende und eine lesende Person mitten im Regen ergeben ein sehr ungewöhnliches Bild. Schreiben bei strömendem Regen ist zwar durchaus ein Topos – Schreibenden aus unterschiedlichen Epochen im produktiven Hoch, während der Regen gegen das Fenster oder auf das Dach der Veranda prasselt, begegnet man beispielsweise in Filmen immer wieder. Schreiben im strömenden Regen ist aber eine Tätigkeit, die – auch wenn es ein angenehm erfrischender Sommerregen ist – schon aufgrund der dazu benötigten Utensilien und deren Eigenschaften schlecht ausführbar ist.

Die Fliege, so unscheinbar und kurzlebig sie sein mag, ist für die Kunstgeschichte ein ganz besonderes Tier. Dies hängt sowohl mit einem komplizierten physikalischen als auch mit einem biologischen Merkmal zusammen, durch welche sie sich auszeichnet und die sie befähigen, gegen die Wirkung der Schwerkraft festen Halt auf verschiedenen, auch sehr glatten Oberflächen zu finden. Fliegen kleben literaliter durch eine von den Beinen abgesonderte Flüssigkeit an den Dingen.  Auch deshalb ist es gerade eine Vertreterin dieser Species, die in der Täuschungsanekdote über den perfekten Illusionismus der Malerei Giottos figuriert: Sein Lehrer Cimabue habe versucht, von einem seiner Werke eine von Giotto auf die Nase einer Bildfigur gemalte Fliege zu verscheuchen. Dies wiederum rekurriert auf die Trompe l’œuil-Anekdote bei Plinius, in der die Vögel an den von Zeuxis gemalten Trauben picken und Zeuxis wiederum versucht, einen von Parrhasios gemalten Vorhang zur Seite zu ziehen, um das vermeintlich dahinter befindliche Bild sehen zu können – die beste Täuschung ist diejenige, die selbst den Künstler und gar den Lehrer täuscht.

Am 11. Mai 2019 wird die Ausstellung „Wem gehört die Stadt? Krems und Stein gestalten im 16. Jahrhundert“ im museumkrems eröffnet. Thomas Kühtreiber und Elisabeth Gruber vom Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit in Krems haben dabei den Blick die „großen und kleinen Dinge“ gelenkt, die  das politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben der Stadt im 16. Jahrhundert geprägt haben.

Zum Frühling im Allgemeinen wie auch zum christlichen Osterfest, das ja häufig – und so auch in diesem Jahr – im April stattfindet, gehört hierzulande untrennbar der Hase: Nicht umsonst wird der Feldhase (Lepus europaeus), der übrigens zu den gefährdeten Tierarten zählt, beim Naturschutzbund Österreich als Säugetier des Monats April geführt. Ob er uns nun als Schokoladehase im Supermarkt begegnet (und direkt in den Einkaufswagen springt) oder uns beim Wandern in der Natur über den Weg läuft, ob man ihn als Fruchtbarkeitssymbol sehen möchte oder als kulinarisches Highlight der Wildsaison – Hasen lösen wahrscheinlich bei den meisten von uns positive Gefühle und Assoziationen aus.

Mit ONAMA, der „Ontology of the Narratives of the Middle Ages“, startete am 01. März 2018 ein zweijähriges Kooperationsprojekt zwischen der Mittelhochdeutschen Begriffsdatenbank (MHDBDB, Universität Salzburg) und dem Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit in Krems (IMAREAL, Universität Salzburg), beide Teil des Interdisziplinären Zentrums für Mittelalter und Frühneuzeit (IZMF) an der Universität Salzburg. Projektziel ist die Entwicklung einer Semantic-Web-Ontologie als digitales Werkzeug für die Analyse des imaginativen Potenzials und der narratologischen Muster in der Literatur und in Bildern des Mittelalters. Auf der Basis von Fallstudien wird im Zuge des Projekts auch veranschaulicht, wie eine solche Ontologie in der mediävistischen Forschung verwendet werden kann.

In REALonline werden alle dargestellten Elemente eines Bildes (Figuren, Objekte, Kleidung, Tiere, Pflanzen; Handlungen, Handlungsorte etc.) erfasst. Zusätzlich sind auch Informationen festgehalten, die etwas über die Bezüge zwischen diesen Elementen (und ihren Teilen) aussagen, also etwa, ob ein Krug auf dem Tisch steht oder ihn jemand in der Hand hält, ob er einen Henkel hat, oder welche Kleidung die dargestellten Personen tragen. Mit diesen Daten lässt sich auch erforschen, wie in Bildern erzählt wird.

Der Mann mit der roten Kopfbedeckung, der aus dem Bild blickt und damit auch eine direkte Verbindung zu den Betrachter*innen herstellt, hält einen Stab in der Hand, an dessen Ende der Kreuzestitulus montiert ist.

Spätestens seit René Magrittes berühmten Bild „Ceci n’est pas une pipe“ ist klar, dass die Darstellung von Dingen auf Bildern eben „nur“ deren bildliche Repräsentation ist, nicht das Ding selbst. Dies berührt einen Kernpunkt realienkundlicher Arbeit, nämlich jenen der Frage der Dinge im Netzwerk ihrer Repräsentationen. Im aristotelischen Sinne, also unter der Annahme, dass allen Dingen eine gemeinsame Idee von DEM Tisch, DER Kanne etc., innewohnt, kann auch das materielle Objekt als Repräsentation angesehen werden. Unabhängig von der Frage, ob man selbst eher der idealistischen (Idee>Ding) oder materialistischen (Ding>Idee) anhängt, erleichtert das Denken in „Repräsentationen“ den interdisziplinären Diskurs, weil es keine Hegemonie des physischen Objekts im Sinne des „realen“ Objekts gibt: Wirklich ist, was wirkt, nicht was physisch be-greifbar ist.

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