Den Monat November verbinden heute viele mit einem in dieser Zeit vermehrt zubereiteten Gericht: einer gebratenen Gans. Dieses Essen wird oft in Zusammenhang mit einer Episode gebracht, die sich im Leben des Hl. Martin zugetragen haben soll: Aus Bescheidenheit versteckte er sich demnach bei den Gänsen, um nicht zum Bischof gewählt zu werden. Das Geschnatter des Federviehs verriet ihn aber und er wurde dennoch mit diesem Kirchenamt bekleidet. „Die Gänse haben Sankt Martin verraten, drum müssen sie jetzt braten,“ so eine gängige abgekürzte Schilderung der Zusammenhänge zwischen der Vita des Heiligen und dem Festtagsessen.

Einen offiziellen, vom Vatikan bestätigten Schutzheiligen oder eine Schutzheilige für das Internet gibt es bisher noch nicht, wohl aber gibt es einige Kandidaten dafür – allen voran den heiligen Isidor von Sevilla (560-636 n.Chr.), einen großen Gelehrten, bedeutenden Kirchenvater und Bewahrer antiken Wissens. Der heilige Severus hingegen, Protagonist unseres Bildes des Monats Oktober, ist in diesem Zusammenhang (noch) nicht im Gespräch.

30, August 2018
Blog, Schon gewusst?

Um Grenzen oder Abgründe überwinden zu können, bedarf es – baulicher – Hilfsmittel, wie etwa Brücken. Diese müssen nicht nur errichtet, sondern auch Instand gehalten und bei Bedarf erneuert werden. Geschieht dies nicht, können Verbindungen nicht aufrechterhalten werden, kommt es zu Verzögerungen oder gar zu Katastrophen – dies hat sich bis heute nicht wesentlich geändert, wie das jüngste Beispiel eines massiven Brückeneinsturzes mitten im städtischen Raum in Genua zeigt. Gelegentlich können Brücken allerdings auch missbräuchlich genutzt werden. Am Bild des Monats wird eine der wenigen Darstellungen der Hinrichtung des heiligen Florian in Szene gesetzt. Dies ist umso auffallender, als von den 63 in der Bilddatenbank REALonline aufgenommenen Werken mit Darstellungen des heiligen Florian nur 4 den Hinrichtungsort – die Brücke – thematisieren.

Zumindest unter den etwas älteren Semestern unter den LeserInnen dieses Texts dürften sich in den letzten Jahren eigentümliche Gefühle beim Reisen durch Europa eingestellt haben: Plötzlich bilden sich wieder Staus an Landesgrenzen, die man in dieser Form nicht mehr für möglich gehalten hat, ernst blickende Exekutivbeamte mit Bewaffnung sorgen für die dazu passende Beklemmnis.

Die aktuellen Grenzkontrollen als Teil der politischen Restriktionen im Gefolge der sogenannten „Flüchtlingskrise“ in Europa 2015 können im historischen Kontext auch dahingehend interpretiert werden, dass das Verständnis von „Grenze“ und der Umgang mit Menschen an solchen veränderlich war und ist und dementsprechend auch kulturell wie politisch unterschiedliche Bedeutungszuschreibungen erfuhr. Im Früh- und Hochmittelalter prägten Marken – mehr oder weniger breit definierte Grenzsäume, z.T. mit besonderen Verwaltungsaufgaben – den Übergang von einem Land zum nächsten. Erst mit dem zunehmenden territorialen Verständnis von Herrschaft im Spätmittelalter setzen sich Grenzen als linear im Raum gedachte und dementsprechend auch zu markierende Strukturen durch.

Im unteren Bildbereich einer Seite aus der illustrierten Lilienfelder Concordantiae Caritatis sind Tiere beim Sammel von Wintervorräten zu sehen (REALonline 004017D). Vorbildlich tragen hier Igel und Ameisen Früchte in ihre Behausungen und vollziehen damit gewissermaßen das zweckgebundene Sammeln.

Das Sammeln und Verarbeiten von personenbezogenen Daten wird mit der europäischen Datenschutzgrundverordnung, die mit 25. Mai 2018 in Kraft getreten ist, neu geregelt.  Unzählige eMails sind dazu in letzter Zeit unter dem sperrigen Kürzel DGSVO verschickt worden, in denen die EmpfängerInnen informiert wurden, dass ihre Adressen für die Zusendung von Newslettern oder Veranstaltungsinformationen verwendet werden und sie mögen dies bitte weiterhin zulassen, indem sie dies durch ihre explizite Einwilligung bestätigen. Vielen wurde vielleicht dabei erst bewusst, auf wievielen Verteilern ihre Kontaktdaten aufliegen und konnten die Gelegenheit nutzen, niemals abonnierte Newsletter und andere unerwünschte Zusendungen los zu werden, indem sie die „opt-in“ Aufforderungen einfach ignorierten. Damit müssen die eMailadressen aus den Verteilern gelöscht werden.

Auf fol. 5r im Speculum Humanae Salvationis, Madrid, Bibl. Nac., Ms. B. 19,  wird Adam nach der Vertreibung dargestellt, mit einer Spitzhacke samt metallener Klinge den Ackerboden bearbeitend. Die Figur der Eva vervollständigt diese Bildgruppe; sie wird bei der Ausübung eines Handwerks, des Spinnens, gezeigt.

Die mittelalterliche Theorie zu den Bedingungen, Grundlagen und dem Status menschlicher Arbeit unterscheidet sich grundsätzlich von der Antike. Während dort  jegliches mit der Hand ausgeübte Tun, d.h. alle mit den artes mechanicae verbundenen Tätigkeiten als niedere, den Sklaven überlassene Verrichtungen galten, erfuhr das Handwerk mit der Exegese der christlichen Schöpfungsgeschichte eine Aufwertung.

Briefe mit einem Siegel zu versehen, ist für viele Menschen eine bekannt Praxis, auch wenn wir diese heute kaum noch verwenden. Den Einsatz von Siegeln kennen wir auch von Gegenständen, wie Feuerlöschern, Gaszählern oder Notbremsen. Zumindest über die Vermittlung von Kriminalromanen und -serien sind auch Versiegelungen von Räumen oder Wohnungen durch die Polizei geläufig.

In allen Fällen dient die Anbringung eines Siegels dazu, ein unautorisiertes Zugreifen auf einen Gegenstand oder einen Bereich zu verhindern oder zumindest durch das gebrochene Siegel eine unrechtmäßige Handlung nachweisen zu können.

In Bildern von der Auferstehung Christi wird das intakte Siegel dazu genutzt, diese Schlüsselstelle der Heilsgeschichte noch deutlicher vor Augen zu führen.

Die christlichen Kirchen erinnern zu Ostern an den Kreuzestod und die Auferstehung Jesu Christi, durch die im christlichen Glauben die Erlösung der Menschheit von der Sünde und die Aussicht auf ewiges Leben begründet wird. Damit in Verbindung steht die christliche Vorstellung des Jüngsten Gerichts, bei dem die Toten zum Leben erweckt werden.

Die Auffassung eines göttlichen Gerichts am Ende des Weltgeschehens geht auf antike bzw. alttestamentliche Vorbilder zurück, nach dem neuen Testament erscheint Christus am Jüngsten Tag, um die Lebenden und die Toten nach ihren Taten zu richten.

Vielleicht kennen Sie schon die Funktion von myREALonline, mit der Sie Ihre eigenen Sammlungen anlegen und diese bei Bedarf per Link mit anderen teilen können. Es gibt aber auch die Möglichkeit, öffentliche Sammlungen zu speichern, die für alle zugänglich sind. Anlässlich der Ausstellung „Rueland Frueauf d.Ä. und sein Kreis“ in der Österreichischen Galerie Belvedere (Oberes Belvedere) haben wir für Interessierte dazu Datensätze aus REALonline in einer virtuellen Kollektion vereinigt.

REALonline ist nun auch auf der Website von DArtHist, dem Netzwerk für Digitale Kunstgeschichte in Österreich, vertreten. Die Plattform dient der Information und Vernetzung von Personen, die ein Interesse an kunsthistorischer Forschung im Kontext der digital humanities haben.

Das „Hübsche-Februar-Mädchen“ ist unter einem anderen Namen besser bekannt: Schneeglöckchen. Es gilt als Vorbote des Frühlings und kämpft sich durch den Schnee (sofern vorhanden) an die Oberfläche. Von den etwa 20 verschiedenen Arten ist in unseren Breiten hauptsächlich das Kleine oder Gewöhnliche Schneeglöckchen verbreitet. Ein weiterer Frühlingsbote ist der Märzenbecher (auch Frühlingsknotenblume genannt), der landläufig ebenfalls als (Großes) Schneeglöckchen bezeichnet wird. Darüber, welche die schönere Blume ist, lässt sich trefflich streiten. Beide gehören zur Familie der Amaryllisgewächse, jedoch zu unterschiedlichen Gattungen.

In REALonline lassen sich über die Suchfunktion einige Schneeglöckchen und Märzenbecher finden, wobei die jeweilige Zuordnung nicht immer ganz einfach ist, weil die Pflanzen nur sehr klein im Hintergrund und nicht botanisch eindeutig dargestellt sind.

Für die Erforschung der materiellen Kultur vergangener Epochen sind menschliche Hinterlassenschaften von zentraler Bedeutung: in der wissenschaftlichen Terminologie – beispielsweise in der Archäologie, aber auch in anderen historisch arbeitenden Fachdisziplinen – werden mit diesem Begriff die aus der Vergangenheit erhaltenen materiellen Zeugnisse bezeichnet, welche in unterschiedlichen Formen auf uns gekommen sind und der Forschung als Quellen dienen können. In dieser Bedeutung – also als das, was uns historische Individuen und Gesellschaften an hinterlassen haben – bilden sie in all ihren vielfältigen Erscheinungsformen seit nunmehr fast fünfzig Jahren den Forschungsgegenstand des Instituts für Realienkunde.

Der Begriff ‚Hinterlassenschaft‘ kann aber auch verhüllend für jene Objekte unterschiedlicher Form und Konsistenz stehen, die von Menschen und Tieren als Endprodukte ihres Verdauungsprozesses  hinterlassen werden.

Wir freuen uns zwei digitale Neuerungen des IMAREAL im Lesesaal der Niederösterreichischen Landesbibliothek in St. Pölten vorstellen zu dürfen. Die Präsentationen von REALonline und memo finden im Rahmen der Veranstaltungen des Vereins für  Landeskunde von Niederösterreich statt. Das Motto des Abends ist „Mittelalterliche Lebenswelten digital erschließen“. Nähere Informationen finden. sie hier.

Im Lauf des Novembers werden sich viele von uns zunehmend bewusst, dass sich das Jahr nun unaufhaltsam dem Ende zuneigt und reagieren teils mit Wehmut, teils mit Nervosität: Die Zeit ist allzu rasch verflogen, und wir schaffen es nun vielleicht nicht mehr, all die Dinge zu erledigen von denen wir glauben, dass sie unbedingt noch in diesem Jahr abgeschlossen werden müssen. Wir können es aber auch positiv betrachten und uns darauf besinnen, dass ja somit auch Weihnachten immer näher rückt – jenes Fest also, das im Christentum den wahrhaft ‚krönenden Abschluss‘ des Jahres bildet.

Am IMAREAL dürfen wir auf ein erfolgreiches und interessantes Jahr zurückblicken und uns gleichzeitig zum Jahresende auch noch über etwas freuen: Nicht nur wurde heuer REALonline, die traditionsreiche Bilddatenbank des Instituts, einem umfassenden Relaunch unterzogen, sondern es wird sich noch in diesem Monat weiterer Nachwuchs in der Familie unserer digitalen Forschungstools und Datenbanken einstellen:

Unsere neue Zeitschrift MEMOMedieval and Early Modern Material Culture Online – wird am 22. November 2017 das Licht der Welt (beziehungsweise des world-wide web) erblicken.

Manche haben vielleicht Mühe auf Albrecht Dürers Holzschnitt zur Geburt Mariens (REALonline 014301) die Wiege auf Anhieb zu finden. Dabei ist sie eigentlich im Zentrum des Raumes dargestellt, in dem die Szene verortet ist. Ein kleiner Tipp: das gesuchte Objekt wird getragen.

1, August 2017
Blog, Schon gewusst?

Im Sommer können Fliegen mitunter als lästige Nebenerscheinung der heißen Temperaturen zur wahren Plage werden. Wird ein_e Mitarbeiter_in des Instituts für Realienkunde bei der konzentrierten Arbeit im Büro von einem solchen, beständig vor dem Gesicht umhersurrenden Insekt gestört, so stellt sich ihr oder ihm vielleicht irgendwann die Frage, ob Fliegen denn auch Eingang in literarische und bildliche Darstellungen des Mittelalters gefunden haben.

Die Omnipräsenz von Weißgebäck im Mittelmeerraum gehört für viele Sommerurlauber/-innen mitteleuropäischer Provenienz zu den prägenden Erinnerungen, ebenso die Freude, wieder das „heimische“ Schwarz- oder Vollkornbrot nach der Heimkehr schmecken zu können. Dies zeigt, wie Nahrung kulturell – in diesem Fall regional – konnotiert sein kann und sich von Kindheit an tief in unsere Identitäten einschreibt.

Unfälle auf Burgen gehören zu den selten schriftlich überlieferten und noch seltener bildlich dargestellten historischen Ereignissen. Dies verwundert umso mehr, sind doch Burgen aufgrund ihrer Baumassen mit hohen Türmen und tiefen Gräben, aber auch wegen ihrer bisweilen exponierten Lage, definitiv nicht das, was man heute unter „Sicherheit am Wohnort“ subsummieren würde.

Seit Mittwoch, den 10. Mai 2017, ist die neue Version von REALonline via Internet für alle verfügbar.

Werke der Österreichischen Galerie Belvedere zählen zu jenen, die besonders oft in unserem digitalen Archiv nachgefragt werden. Wir haben uns deshalb besonders gefreut, die überarbeitete und mit erweiterten Funktionen ausgestattete Bilddatenbank REALonline im neuen Design im Schaudepot Schatzhaus Mittelalter im Prunkstall des unteren Belvedere zu präsentieren.

Das Tagging im Backend und die Anzeige „tagged view“ im Frontend haben wir anhand von einigen Tafeln des Hochaltars in Gampern durchexerziert. Nun können Sie auch interessante Details, die wir erhoben haben, rascher und einfacher finden. So zum Beispiel wurde auch der Schatten, den das Kreuzstockfenster in der Verkündigung an Maria an die Wand wirft, im Bild festgehalten.

Anstatt einer Darstellung betender Stifter zeigt der Andreasaltar im Diözesanmuseum St. Pölten auf dem linken beweglichen Flügel (Werktagsseite) eine Illustration des mittelalterlichen Gedankenmodells rund um die Fürsorge für die Toten, die für die Lebenden verpflichtend war: Mit der Stiftung von Messen und der Verrichtung guter Werke wie der Almosenspende bewirkte man für verstorbene Angehörige Trost oder gar die Erlösung aus dem Fegefeuer – dem Ort der Reinigung der Seele von während der Lebenszeit nicht abgebüßten lässlichen Sünden – und konnte gleichzeitig davon ausgehen, dass einem die ausgeübten Werke eines Tages im Jenseits selbst zugutekommen würden.

All jenen, die des Schwimmens (noch) nicht mächtig sind, stehen heute verschiedene Hilfsmittel wie Schwimmflügel, Schwimmkissen oder Schwimmnudeln zur Verfügung. Dass man sich bereits im Mittelalter Gedanken über Schwimm(lern)hilfen machte, legen verschiedene Quellen nahe.

Nicht erst seit der modernen Raumfahrt interessieren sich Menschen für die Planeten. Im Mittelalter waren natürlich keine Marssonden im Einsatz. Aber für astronomische Forschungen, die auf Errungenschaften der arabischen Wissenschaft aufbauten, wurden komplexe Demonstrations- und Messinstrumente verwendet.

Eine kolorierte Federzeichnung ist einer Handschrift über die Regeln für den Kartäuserorden vorangestellt. Sie zeigt – unten auf dem Boden liegend – den heiligen Bruno, der durch die Beischrift benannt und als erster Kartäuser (und damit Gründer des Ordens) ausgewiesen ist. Mit der rechten Hand stützt Bruno seinen Kopf, mit der linken deutet er auf ein vegetabiles Gebilde, das aus seiner Seite zu wachsen scheint. Der Stamm und die Äste dieser Baumstruktur sind grün eingefärbt. Blassgelbe und blaue Blüten an den Enden bzw. Verzweigungen dieser Äste tragen Brustbilder von Mönchen, Bischöfen und einem Kardinal aus dem Kartäuserorden.